Warum überhaupt einen Stundensatz kalkulieren?
Der Stundenverrechnungssatz ist die zentrale Kennzahl jedes Betriebs, der Zeit an Kunden verkauft — vom Handwerker über den Berater bis zum Freelancer. Er sagt dir, was eine Arbeitsstunde mindestens kosten muss, damit alle Kosten gedeckt sind und noch etwas übrig bleibt für Gewährleistung und Gewinn. Wer ohne kalkulierten Satz Angebote schreibt, arbeitet im Nebel — häufig unter Selbstkosten, ohne es zu merken.
Warum nicht der ortsübliche Satz?
Der ortsübliche Satz ist das, was Kollegen im Umkreis nehmen — nicht das, was du brauchst. Betriebe mit anderer Kostenstruktur, mehr Verwaltung, teureren Fahrzeugen oder älterer Belegschaft haben andere Selbstkosten. Wer sich nur am Wettbewerb orientiert, kalkuliert seine eigene Insolvenz.
Was gehört in die Gemeinkosten?
Alles, was nicht direkt einer Baustelle zugeordnet werden kann: Miete für Büro und Werkstatt, Fahrzeug-Leasing, Kraftstoff und Versicherungen, Buchhaltung und Steuerberater, Software (Lohn, Angebote, Buchhaltungs-Cloud), Werbung, Marketing, Werkzeug-Abschreibung, Fortbildungen, Berufsgenossenschaftsbeiträge, Kammerbeiträge. Betriebshaftpflicht, Inhaltsversicherung, Cyber, Rechtsschutz — alles Gemeinkosten.
Wie realistisch ist mein Produktivitätsgrad?
Das ist die härteste Frage in der Kalkulation. Ein Handwerker ist typisch 70–80 % seiner Anwesenheit produktiv beim Kunden. Der Rest ist Rüstzeit, Fahrzeit, Angebotserstellung, Reklamations-Bearbeitung, Werkstattzeit, Materialabholung. Wer 90 % ansetzt, betrügt sich selbst. Wer unter 70 % landet, sollte kritisch prüfen, ob die Abläufe wirklich so ineffizient sind — oder ob es Optimierungspotenzial gibt (Digitalisierung von Angeboten, Materialbestellung, Zeiterfassung).
Inhaber-Rolle: produktiv oder nicht?
Steht der Inhaber selbst auf der Baustelle, zählt er als produktiver Mitarbeiter — sein Lohn (bzw. Unternehmerlohn) ist Teil der Personalkosten. Arbeitet er überwiegend im Büro, Kundenkontakt, Angebote und Steuerung, dann gehört sein Lohn in die Gemeinkosten. Der häufigste Fehler in Online-Rechnern: den Inhaber sowohl bei den produktiven MA mitzählen als auch nochmal seinen Unternehmerlohn draufschlagen. Dann rechnet sich der Satz zu hoch und die Angebote werden nicht angenommen.
Was ist ein realistischer Wagnis-und-Gewinn-Zuschlag?
Faustregel: 8–15 %, im Mittel 10 %. Der Zuschlag deckt Forderungsausfälle, Gewährleistungsarbeiten, Reklamationen und den eigentlichen Betriebsgewinn. Wer 5 % ansetzt, arbeitet praktisch für die Deckung — im ersten schlechten Jahr ist der Zuschlag weg. Wer 20 % ansetzt, wird preislich nicht wettbewerbsfähig.
Und die eigene Absicherung?
Wer sein eigenes Einkommen einmal sauber durchrechnet, sieht schnell wie hoch der Verdienstausfall ist, wenn er selbst länger ausfällt. Genau deshalb ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige und mitarbeitende Inhaber praktisch unverzichtbar — ebenso ein Krankentagegeld, das die Zeit zwischen Krankschreibung und BU-Leistung überbrückt. Beides lässt sich in eigenen Rechnern auf dieser Seite kalkulieren, sobald sie online sind.
